Formel 1

Einige Vorschläge zur Belebung der Formel 1 - Rennen hat sich der Kolumnist der Süddeutschen Zeitung ausgedacht: Streiflicht (aus Süddeutschen Zeitung vom 14.10.02)
(aus Süddeutschen Zeitung vom 14.10.02)



Wenn es überhaupt noch etwas Faderes gibt als ein Autorennen, dann ist es ein Autorennen, in dem immer derselbe gewinnt. In der Formel 1 geht es drunter und drüber, offenbar funktionieren die Absprachen nicht mehr, die für Hochspannung bis zum letzten Radwechsel sorgen. Wieder der Vufflenser also, der gebürtige Hürth-Hermülheimer, den sie in Deutschland den Kerpener nennen. Mögen sie ihn auch feiern, daheim in Vufflens am Genfer See, mögen die Italiener im Ferrarismus verglühen, die Welt, welche längst die TV- Welt ist, ödet sich an. Max Mosley, der Präsident des Automobil-Weltverbandes, hat es erkannt, sein Vorschlag ist pfiffig: Für jeden WM-Punkt, den einer erringt, kriegt er ein Kilo Zusatzgewicht ins Auto. 

Pfiffig, aber viel zu zaghaft. Die Gewichte irgendwo in den Boliden zu verstecken öffnet dem Missbrauch Tür und Tor. Eine äußerst telegene Lösung wären kleine Anhänger, die zusätzliche Werbeflächen böten. Vor dem Start könnten so genannte Boxenluder vor aller Augen Bleiplatten in die Wägelchen wuchten, und ab geht die Post. Hei, wie die Einachser über der Piste tanzen. Fürs Erste werden nun Holländer dominieren – am Hänger sind sie die stärksten. Aber bald schon werden die anderen aufschließen. Und jetzt folgt der zweite Schritt: Weg mit den endlosen Phasen der Langeweile zwischen den Boxenstopps! Nur noch Starts und Boxenstopps, da zeigt sich der Meister, da zeigt sich sein Team. Und Gegenverkehr muss her wie auf jeder ordentlichen Strecke. Packen Sie’s endlich an, Max Mosley! Frisch ans Gerät, Michael Schumacher! 

Und damit kein Ende. Sport soll wieder Sport sein, Herzschlag, Sieg mit Brustbreite, Raddurchmesser, Nasenlänge. Was der Vufflenser in der Formel 1, ist Lance Armstrong in der Tour de France. Also Gepäckträger an den Renner montiert, und für jede Sekunde Vorsprung im Gesamtklassement zehn Gramm draufgepackt! Und wenn das nicht reicht, wenn Armstrong immer noch der Crack ist vor dem großen Finale auf den Champs-Elysées, dann kriegt er flugs den deutschen Radreporter Rudi Altig hinten draufgesetzt. Spannung pur ist garantiert – und endlich wieder eine Chance für Jan Ullrich. Genereller Reformbedarf besteht auch in der Sportart Basketball, die zu einer Zeit erfunden wurde, als die Menschen so klein waren, dass sie den Korb von unten anvisieren mussten. Der verbreitete Riesenwuchs nimmt der Sache nun jeden Reiz. Hängt ihnen die Körbe höher! Oder lasst sie mit Medizinbällen spielen! Dominante Schwimmer bekommen ein Brusttoupet, afrikanische Langläufer müssen durch die Bank mit Hut antreten, der Torwart des FC Bayern wird vor jedem Match mit Tranquilizern behandelt. Es ist wie in der Politik: Die Lösungsvorschläge sind da, es hapert nur bei der Umsetzung. 



Quelle: http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/getArticleSZ.php?artikel=ressort1.php

 

Das gibt nicht gerade meine Meinung zur Formel 1 wieder (bin ja schließlich Formel 1 Fan) aber gut finde ich den Artikel trotzdem.